Herr der
Straßen und Lüfte
Das Leben des Erfinders, Piloten und Künstlers Robert Edison Fulton, jr.
Robert Edison Fulton Jr. gefiel, es Sachen zu erfinden, von streng geheimen militärischen Geräten bis hin zu trefflichen Redensarten. „Ein Mann kann daran gemessen werden, was er macht, wenn er nichts zu tun hat“, war einer seiner liebsten Leitsätze. In seiner Heimwerkstatt befand sich ein Schild, auf dem stand: „Zuhause ist kein Haus. Zuhause ist eine Straße.“
Geboren im Jahr 1909, war Fulton das Reisen in die Wiege gelegt. Seine Vorfahren – der Robert Fulton, der das Dampfschiff erfand, könnte einer von ihnen gewesen sein – betrieben Postkutschen im Westen und gründeten das Busunternehmen Greyhound. Sein Vater war Präsident von Mack Trucks, und der junge Robert arbeitete bereits in einem Alter, in dem andere Jungen Baseballspielen lernen, and Entwürfen für Motoren.
Fulton machte das Beste aus seiner privilegierten Abstammung. Im Jahr 1921, in den Anfangstagen der gewerblichen Luftfahrt, war er als junger Passagier an Bord eines Fluges von Miami nach Havanna. Zwei Jahre später wohnte er der Öffnung des Grabes von König Tutanchamun in Ägypten bei.
Aber der sogenannte Fluch des Pharaos erfasste den blauäugigen Reisenden nicht. Fulton schien an der Straße des Lebens entlangzuschweben, getragen von Einfallsreichtum und seiner umgänglichen, unbesorgten Natur. Der erste Streich, der auf ihn aufmerksam machte, war eine 25.000 Meilen lange Motorradfahrt, die er kurz nach seinem Hochschulabschluss unternahm. Bemerkenswert dabei war, wie er in die ganze Sache hineinstolperte.Das war 1932. Er hatte gerade ein Architekturdiplom von Harvard erhalten und absolvierte ein zusätzliches Studienjahr in Wien. Eines Abends in London auf einer Dinnerparty, fragte ihn eine weibliche Begleitung, was er als Nächstes vorhabe. „Mit dem Motorrad um die Welt fahren“, antworte er spontan, vermutlich um seine Gesprächspartnerin zu beeindrucken. Ein anderer Gast hörte jedoch mit – einer, der zufälligerweise eine Motorradfirma besaß. Der Fremde bot an, das Fahrzeug bereitzustellen, und Fulton geriet in Zugzwang.
Es ist bezeichnend für ihn, dass er die Sache durchzog. Fulton brachte sich selbst in London das Fahren bei und befand sich schon bald darauf mit einer Zweizylinder-Sonderanfertigung von Douglas auf dem Weg nach Japan. Wenngleich er auch stillsicher gekleidet losfuhr, entledigte er sich seiner Abendgarderobe in Griechenland. Für die restliche Strecke bestand Fultons Gepäck aus wenig mehr als seiner Kamera und seiner Zahnbürste.
Der ursprüngliche Plan war gewesen, zur Persönlichkeitsbildung historische Bauwerke zu studieren. Fulton aber bemerkte, dass er weitaus mehr von den Menschen, denen er begegnete, angezogen wurde. Der Alleinreisende tauchte wie aus dem Nichts in türkischen oder afghanischen Ortschaften auf, staubüberzogen, rittlings auf seinem zweirädrigen Hengst. Die Menschen waren in gleichem Maße von ihm angetan – meist zum Guten, manchmal zum Schlechten. Den heiteren Berichten in Fultons Reiserzählung One Man Caravan zufolge, bedurfte es aber mehr als Sprachbarrieren und einer gelegentlichen Nacht hinter Gittern, um ihn zu entmutigen.
Er wurde angetrieben, schrieb er, von „diesem inspirierenden Moment des Reisens – der einladenden Hand des aufgeschlossenen Fremden“. Er trug zwar eine Pistole versteckt bei sich, jedoch fand er für diese nur als Hammer bei der Reparatur seines Motorrades Verwendung.
Nachdem er Europa und Asien durchquert hatte und mit einem Schiff nach San Francisco und dann durch Amerika gefahren war, kehrte Fulton nach New York zurück. Die Filme und Fotos seiner Reise – die gutmöglich die weltweit erste ihrer Art gewesen sein könnte – halfen Fulton, Arbeit als Fotograf bei der Fluglinie Pan American zu finden.
Dadurch entstand seine innige Beziehung zur Fliegerei. Fulton richtete seine kreativen Energien himmelwärts, und als der zweite Weltkrieg näher rückte, erfand er einen frühen Flugsimulator. Für diesen nutzte er einen Panoramahorizont aus Bildern, die er von der Spitze des Empire State Buildings aus geschossen hatte. Er entwickelte auch einen Schießübungssimulator, den er mit ansehnlichem Gewinn an die Marine verkaufe.
„Erfindungen führen auf eigentümliche Art zu weiteren Erfindungen“, bemerkte Fulton einmal. Er brachte sich das Pilotenhandwerk zu jener Zeit selbst bei und bevorzugte es auch, selbst zu seinen Militärterminen zu fliegen. Es gab jedoch ein Problem: Bodenverkehrsmittel ab der Landebahn zu finden, besonders da Taxis durch kriegsbedingte Benzinrationierung nur beschränkt verfügbar waren.
Hier kommt Fultons Airphibian ins Spiel, das eine Sensation für die Presse darstellte, als er es 1947 enthüllte. Nur wenige Handgriffe verwandelten es in fünf Minuten von einem Flugzeug in ein komisch anmutendes Automobil. Charles Lindbergh war voll des Lobes für das verrückte Gerät. Allerdings zwang der kostspielige Zertifizierungsprozess Fulton schlussendlich dazu, die Firma zu verkaufen. Das machte ihn von neuen Inverstoren abhängig, sodass das Airphibian niemals auf den Markt kam.
Weitere militärische Erfindungen folgten – die größte von ihnen wurde entworfen, um Truppen aus feindlichem Gebiet auszufliegen. Das Skyhook-System von Fulton wurde in mehreren Geheimoperationen eingesetzt und, weit bekannter, um Sean Connery als 007 im flotten Finale von Feuerball einzusammeln. Fulton behauptete, die US-Regierung hätte geplant, den Dalai-Lama mittels Skyhook aus China herauszuholen. (Letztendlich gelang Seiner Heiligkeit die Flucht zu Fuß.)
Im späteren Leben, als er sich behaglich in Connecticut niedergelassen hatte, steckte Fulton seine Kreativität verstärkt in Kunstwerke. Er nahm die Luftfotografie wieder auf und flog kopfüber in seiner P-51 Mustang, um bessere Aufnahmen zu erzielen. (Lassen Sie uns eine Pause einlegen und festhalten: Wir sprechen hier von einem Mann um die 60.) Außerdem schuf er auch Skulpturen. Viele von ihnen befanden sich auf seinem über 16 Hektar großen Anwesen in Newton. Dort arbeitete er in einer renovierten Scheune, angefüllt mit persönlichen Erinnerungsstücken von Reiseandenken bis zum Eisbärenfell, auf dem er als Kind gespielt hatte.
Ein Freund beschrieb den alternden Alleskönner als „vornehm, gütig und ernsthaft, sowie jederzeit bereit und in der Lage, über jede bedeutende Frage der heutigen Welt zu reflektieren“. Sofern er nicht gerade mit Tüfteleien beschäftigt war, versteht sich. Als Fulton starb – 2004, im Alter von 95 –, hinterließ er sein altes Douglas-Motorrad, das er komplett restauriert hatte.
Obwohl er oft vom Fliegen träumte, behauptete er, dass die Motorradreise ihn am stärksten verändert habe. Er sagte etwas sonderbares. Woher war die Idee gekommen? Spielt keine Rolle. Und dann machte er es einfach.- Foto mit freundlicher Genehmigung von Whitehorse Press
- Foto mit freundlicher Genehmigung des Smithsonian National Air and Space Museum



