Ein Heim Mit Herz
Entdecken sie die freuden und den komfort eines hauses, in dem leute wohnenAls sie noch ein Kind war, wählte Mary Randolph Carter mit ihren acht Geschwistern einen Türvorleger als Weihnachtsgeschenk aus, „der“, wie sie heute sagt, „ihr Familienmotto widerspiegelte“. Jahre später wurde das Motto zum Titel ihres Buches A Perfectly Kept House is the Sign of a Misspent Life (Rizzoli), das dieses Jahr sein zehntes Jubiläum feiert. Das Buch ist von ihrem Elternhaus – einem Haus aus dem 17. Jahrhundert in Virginia, USA – inspiriert, das sie mit ihren Eltern, ihren acht jüngeren Geschwistern, ihrem Großvater und ihrer Großtante teilte. Es ist eine Ode an alles, was komfortabel und gemütlich ist, an ein Zuhause voll mit Momenten, Erinnerungen und Geborgenheit. Lesen Sie das Interview mit der Autorin, die aktuell für das Publishing bei Ralph Lauren zuständig ist. Sie erzählt von ihrer charakteristischen, kunstvoll unaufgeräumten Ästhetik, ihrer Liebe für Antiquitäten und ihrer Designphilosophie.
Woher kamen die Inspirationen für A Perfectly Kept House is the Sign of a Misspent Life?
Ich habe dabei an meine Kindheit in Virginia gedacht. Mein Elternhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und war voll mit persönlichen Dingen. Ich war schon immer von den wunderschönen, kunstvoll unaufgeräumten Ateliers von Picasso oder Alexander Calder fasziniert. Bei meiner Wohnphilosophie geht es darum, dass sich Menschen in meinem Zuhause wohlfühlen. Ich finde es großartig, wenn ich Wohnungen oder Häuser betrete, die ihr Herz offenbaren – zum Beispiel mit Kinderzeichnungen am Kühlschrank, Fotos an der Wand oder Büchern.
Viele Zeitschriften zeigen makellose Häuser, die oft nicht einladend sind oder seelenlos wirken. Wie würden Sie Räume einrichten, damit sie weniger steril aussehen?
Mein Geschmack deckte sich schon immer mit dem von Ralph Lauren. Ob bei Mode oder beim Interieur – bei Ralph Laurens Philosophie geht es darum, dass die Dinge echt aussehen, so als würde sie jemand tragen oder darin leben. Wenn man sich eine Home-Kollektion von Ralph Lauren ansieht, bemerkt man manchmal ein ungemachtes Bett, einen Stapel Bücher auf einem Stuhl, Hunde oder Kinder – Lebenszeichen eben. Auch wenn keine Menschen auf den Bildern zu sehen sind, hat man das Gefühl, dass sie eben erst den Raum verlassen haben. Auch die Stimmung ist wichtig. Es gibt Fotografen, die natürliches Licht einsetzen oder nachahmen und damit die richtige Stimmung schaffen.
In Ihrem Buch gibt es ein Zitat: „Ein gutes Zuhause bringt im wahrsten Sinne des Wortes gute Menschen hervor.“ Was bedeutet das für Sie?
Pamela Bell, über die ich in meinem Buch schreibe, lässt ihre Kinder zuhause sogar die Couch bemalen. Manche Menschen würden sagen, dass das zu weit geht. Aber wenn ein Zuhause eine Seele und eine Persönlichkeit hat, ist man auf dem Weg, ein guter Mensch zu werden, schon einen Schritt weiter – schließlich ist man in einem Zuhause aufgewachsen, das die Dinge, die man liebt, respektiert.
Warum liegen Ihnen alte Dinge am Herzen?
Ich liebe Dinge, die eine Geschichte haben, denen eine Erinnerung anhaftet. Wie eine Patina. Zum Beispiel habe ich eine Reihe von Büchern gekauft, die ich aus der Bibliothek meines Großvaters kenne. Ich liebe es, mich mit Dingen zu umgeben, die persönliche Erinnerungen wachrufen. Dabei geht es darum, die unschuldige und glückliche Zeit meiner Kindheit wieder aufleben zu lassen.
Was braucht man unbedingt, um ein Zuhause gemütlich, aber dennoch ästhetisch ansprechend und stilvoll zu gestalten?
An erster Stelle stehen Bücher. Ich habe zwar ein iPad, aber ich glaube nicht, dass ich je meine Bücher aufgeben werde. Ich dekoriere meine Wände gerne mit einem bunten Mix aus Bildern und Fotos oder einer alten Flagge. Ich habe ein bequemes Sofa, das ich (glaube ich) bei Ikea gekauft habe, aber ich tarne es immer mit verschiedenen Textilien und alten Decken, um ihm mehr Charakter zu verleihen. Die Beleuchtung macht eine Wohnung im Handumdrehen behaglicher. Und dann wären da natürlich noch Pflanzen. Im Moment habe ich einen großen Topf Chrysanthemen in einem verzinkten Eimer und ein wenig Kohl.
Wo liegt der Unterschied zwischen geordnetem Chaos und Unordnung?
Geordnetes Chaos ist wie Poesie für unser Zuhause, aber manchmal kann die Lage etwas außer Kontrolle geraten. Ich bin soeben in ein kleineres Büro umgezogen. Als ich es letztens betrat, begrüßte mich ein heilloses Durcheinander. Ich versuchte, etwas zu schreiben, musste aber bald meinen Computer ausschalten und zugeben, dass ich so nicht arbeiten kann. Also verschob ich ein paar Dinge, um ein wenig Ordnung in mein Büro zu bringen.
Wie sehr prägt uns Ihrer Meinung nach das Elternhaus in unserem späteren Leben?
Ich persönlich wurde sehr von meinem Elternhaus geprägt, aber weniger von Einrichtung und Bildern, sondern mehr von der Atmosphäre. Ich lebte eine Zeit lang eng mit meinem Großvater und meiner Großtante zusammen. Sie lebten im ersten Stock, wir im Erdgeschoss. Es gab so viel Wärme, die einem Kind – und definitiv mir – viel Selbstvertrauen mitgibt. Als ich nach New York kam, brachte ich dieses Selbstvertrauen mit. Und ich brachte auch ein paar Erbstücke mit, wie einen Schaukelstuhl, die mich daran erinnern. Aber das ist alles oberflächlich. Was unser Leben prägt, sind die Dinge, die wir in unserem Herzen tragen.
Wie wichtig ist es, dass wir einen tatsächlichen Ort haben, an dem wir uns zuhause fühlen?
Ich glaube leidenschaftlich und von ganzem Herzen daran, dass wir alle einen Ort brauchen, an dem wir uns zuhause fühlen. Ob Single oder verheiratet, mit Hund oder Papagei – selbst Arbeitstiere brauchen ein Nest. Es ist einfach ein menschliches Grundbedürfnis, einen Ort zu haben, an den man zurückkehren kann, wo man sich wie man selbst, sicher und geborgen fühlen kann. Das hat nichts mit der Lage oder Größe zu tun. Es geht hier wieder darum, dass wir uns mit Dingen umgeben, die etwas für uns bedeuten und die uns Freude bereiten. Die glücklichsten, zufriedensten und selbstbewusstesten Menschen haben diesen Ort gefunden. Ob Baumhaus, Holzhütte oder was auch immer – ein Zuhause soll persönlich sein und zeigen, dass man gerne darin wohnt.
- MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON MARY RANDOLPH CARTER
- MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON CARTER BERG



