Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren

Das Naturtalent

Eine neue Ausstellung feiert das Werk und Leben des Volkskünstlers Bill Traylor, mit der Unterstützung einer seiner größten Fans – Jerry Lauren

Jerry Lauren erinnert sich noch sehr genau an seine ersten Begegnungen mit der Arbeit des Volkskünstlers Bill Traylor vor etwa 25 Jahren. Wie viele Sammler, besuchten Lauren und seine inzwischen verstorbene Frau Susan gerne die lokalen Antiquitätenauktionen und Kunstmessen nahe Colebrook, Connecticut, der Stadt in Litchfield County, in der ihnen ein 1785 erbautes Wochenendhaus gehörte. Ganz allmählich häuften die Laurens eine beeindruckende Sammlung an Volkskunstgegenständen an, darunter auch Wetterfahnen aus Kupfer, Modellautos, Steingutkannen sowie Entenattrappen aus Holz, die ihre Vorliebe für alles typisch Amerikanische zum Ausdruck brachten.

Eines Tages zeigte ihnen dann ein bekannter Händler etwas Neues: ein rudimentäres Gemälde auf Pappe mit einem Mann in einem grünen Hemd und einem schwarzen Zylinder, der einen Gehstock in der Hand hielt und eine Zigarre rauchte. Lauren war sofort begeistert von diesem anonymen Spaziergänger – und fast noch mehr von dem verantwortlichen Künstler. „Wer ist diese Person?“, fragte er.

Mr. Lauren was drawn to the piece’s vividness and high contrast (“His use of color is a religion of sorts,” he says), but when he learned Traylor’s backstory—that he was born into slavery in Montgomery, Alabama, that he didn’t even begin creating until he was 85 years old, only 10 years before his death, that many of Traylor’s 1,500 known works were sketched with discarded pencils and donated poster paint on salvaged candy and cereal boxes while Traylor was homeless—he was completely hooked. Piece by piece, he kept adding, with an eye toward the most vibrant works he could find. Twenty-five years later, he has acquired arguably the most significant private collection of Traylors in the world—fighting dogs, well-dressed men, leaping figures, abstract forms—which he now displays in his apartment on the Upper East Side.

„Mich selbst möchte ich nicht loben, aber meine Sammlung?Die schon“,sagt Lauren und lacht. „Ich habe jetzt 20 Traylors und sie sind es alle wert, im Museum zu hängen.“

(Links) <em>Böser Hund (Rückseite: Mann mit Maultier)</em>, von Bill Traylor, ca. 1939–1942, Posterfarbe und Bleistift auf Pappe. Sammlung von Jerry und Susan Lauren. Foto: Matt Flynn © Smithsonian Institution. (Rechts) <em>Mann und großer Hund (Rückseite: Mann und Frau)</em>, von Bill Traylor, ca. 1939–1942, Posterfarbe und Bleistift auf Pappe. Sammlung von Jerry und Susan Lauren. Foto: Matt Flynn © Smithsonian Institution
(Links) Böser Hund (Rückseite: Mann mit Maultier), von Bill Traylor, ca. 1939–1942, Posterfarbe und Bleistift auf Pappe. Sammlung von Jerry und Susan Lauren. Foto: Matt Flynn © Smithsonian Institution. (Rechts) Mann und großer Hund (Rückseite: Mann und Frau), von Bill Traylor, ca. 1939–1942, Posterfarbe und Bleistift auf Pappe. Sammlung von Jerry und Susan Lauren. Foto: Matt Flynn © Smithsonian Institution


Treffenderweise haben zehn von diesen Werken nun vorübergehend ihren Platz im Smithsonian American Art Museum in der Ausstellung Between Worlds: The Art of Bill Traylor, die erste große Retrospektive-Ausstellung für einen in Sklaverei geborenen Künstler. Die Ausstellung, die noch bis 17. März 2019 läuft, wurde von Leslie Umberger, Kuratorin für Volkskunst und autodidaktische Kunst im Smithsonian American Art Museum, organisiert. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer siebenjährigen Reise, die das erfolgreiche autodidaktische Werk des Künstlers zusammenfasst und aus 155 repräsentativen Stücken besteht, die in wiederkehrende Themen, wie „Die Hunde“, „Trinker und Tänzer“, „Volksmagie, Träume und Transformation“ unterteilt sind. (Zwei weitere Werke aus Laurens Sammlung werden in einem begleitenden Einzelwerk, das zuvor in diesem Jahr veröffentlicht wurde, gezeigt.)

Gemäß Umberger bezieht sich der Titel Between Worlds auf die grundverschiedenen Lebenssituationen, die Traylor im Verlauf seines Lebens erfahren musste – Sklaverei und Freiheit, schwarze und weiße Kultur, Leben auf dem Land und in der Stadt. Wie viele andere Sklaven auch, hat Traylor nie das Lesen oder Schreiben gelernt, sodass seine Arbeit, wie Umberger es nennt, eine mündliche Geschichte in visueller Form ist, die auf dem Scheitelpunkt der Bürgerrechtsbewegung endet.

Jerry Lauren in seinem Apartment in Manhattan mit einer Auswahl von Traylors Werken an der Wand dahinter
Jerry Lauren in seinem Apartment in Manhattan mit einer Auswahl von Traylors Werken an der Wand dahinter

„Traylors Intention war es, eine Aufnahme von sich selbst zu machen, um seine eigene Geschichte zu erzählen, die bereits in sich ein radikaler Akt war“, erklärt Umberger, „denn es gab einige Menschen im abgeschiedenen Montgomery, die es nicht gerne sahen, dass er einen Stift halten und sogar seinen Standpunkt zu Papier bringen konnte. In einer Zeit, in der jeglicher Verstoß gegen die gesellschaftliche Etikette das Leben kosten konnte, gehörten Gemälde, die die Persönlichkeit ausdrückten, zu den gefährlicheren Dingen des Lebens.“

Der Titel Between Worlds bezieht sich auf die grundverschiedenen Lebenssituationen, die Traylor im Verlauf seines Lebens erfahren musste – Sklaverei und Freiheit, schwarze und weiße Kultur, Leben auf dem Land und in der Stadt.

In Laurens Augen katapultiert genau diese Courage sowie die Verwendung von Sinnbildern und Symbolik bei der Erkundung des afro-amerikanischen Daseins – von den Plantagen bis hin zum Jim-Crow-Süden – Traylor in die Gruppe der wichtigsten Personen in der Geschichte der zeitgenössischen Kunst der Vereinigten Staaten. Umberger lobt Lauren dafür, dass er geholfen hat, Traylors Geschichte erstmals vollumfänglich darzustellen. „Jerry Lauren war eine wichtige Quelle“, sagt sie. „Einige der Stücke aus seiner Sammlung waren einfach unerlässlich.“

Selbstverständlich war Lauren glücklich darüber, seine Sammlung ans Smithsonian zu verleihen und somit das Augenmerk auf einen Künstler zu legen, dessen Beitrag zur Welt der Kunst für viel zu lange Zeit nicht ausreichend gewürdigt wurde. „Traylor hat meine Liebe zur Volkskunst auf eine ganz neue Ebene gehoben“, sagt er, „obwohl ich diesen Begriff hasse – es heißt eigentlich amerikanische Kunst. Die Breite seiner Arbeit umfasst so viele kreative Ideen. Die Art, wie er Formen einsetzt und darstellt und wie er Positionen einnimmt, schon fast wie Tanzfiguren, ist einfach wunderbar.“

Lauren spürte jedoch eine gewisse Beklemmung bei dem Gedanken, bis zum Frühjahr des nächsten Jahres ohne seine Lieblingswerke zu sein. Glücklicherweise muss er das auch nicht, da das Museum keine Mühen scheute, um exakte Fotoreproduktionen zu erstellen, die anschließend mit Passepartout und Rahmen versehen wurden und an genau denselben Stellen in seinem Apartment in Manhattan aufgehängt wurden.

„Leslie Umberger kam ein paar Mal vorbei und sagte, ,Ich möchte das, das, das und das ausleihen. ‘Ich sagte ihr, ,Ich lebe mit ihnen, jeden Tag. Ich sehe sie jeden Morgen und ich gehe abends mit ihnen schlafen!‘“, erinnert sich Lauren mit einem Lachen. „Aber die Reproduktionen sind wirklich fantastisch. Ohne sie wäre ich sehr traurig. Das wäre für mich so ähnlich wie, ,Die Kinder sind im Ferienlager!Wann kommen sie endlich wieder!?‘“

<em>Mann in Schwarz und Blau mit Zigarre und Koffer</em>, von Bill Traylor, ca. 1939–1942, Bleistift und Posterfarbe auf Pappe. Sammlung von Jerry und Susan Lauren. Foto: Matt Flynn © Smithsonian Institution
Mann in Schwarz und Blau mit Zigarre und Koffer, von Bill Traylor, ca. 1939–1942, Bleistift und Posterfarbe auf Pappe. Sammlung von Jerry und Susan Lauren. Foto: Matt Flynn © Smithsonian Institution

Between Worlds: The Art of Bill Traylor — die erste große Retrospektive-Ausstellung für einen in Sklaverei geborenen Künstler – läuft noch bis 17. März 2019 im Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C.

David Walters ist ein Autor und Redakteur, der in New York lebt.
  • Schmiede, von Bill Traylor, ca. 1939–1940, Bleistift auf Pappe
  • The Metropolitan Museum of Art, New York, Schenkung von Eugenia und Charles Shannon. Bildrechte © The Metropolitan Museum of Art. Bildquelle: Art Resource, NY19
  • Mit freundlicher Genehmigung von Getty Images