Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren
Mai 2026
RL/Reisen

Bootsrennen an der Riviera

Im Sommer 1981 wettete ein Franzose mit einem Amerikaner, dass er ihn bei einem Bootsrennen vor der Küste von Saint-Tropez schlagen könne. Ihre freundschaftliche kleine Wette legte den Grundstein für die vielleicht schönste Regatta der Welt.
Im August, unter den berühmten purpurroten Markisen von Sénéquier, wo die Pastisgläser in der Spätsommersonne glänzen, ist „Les Voiles de Saint-Tropez“ in den Cafés Thema Nummer eins. Les Voiles ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Segelszene im Mittelmeer. Diese besondere Regatta ist eine klassenübergreifende Mischung aus historischen Rennschonern, modernen Hochleistungsyachten und High-Tech-Maxis aus Carbon. In heißen Duellen wird um einige der begehrtesten Trophäen der gesamten Segelwelt gekämpft. Im Gegensatz zum hochtechnischen America’s Cup stehen hier jedes Jahr im September die Eigner-Skipper im Mittelpunkt – jene „Meister des Universums“, die nicht nur mit großen Yachten und tiefen Taschen, sondern auch mit beeindruckenden seglerischen Fähigkeiten anreisen. In der exklusiven, wettbewerbsorientierten Welt der Elite-Yachtbesitzer ist „Les Voiles“ die Regatta, bei der sich Segler einen Namen machen können. Mit anderen Worten: Sie ist très tropézien. Es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, der untrennbarer mit dem Meer verbunden ist als Saint-Tropez. Das Städtchen ist benannt nach dem römischen Märtyrer Torpetius, dessen Leichnam und Reliquien angeblich unversehrt hier angespült wurden, nachdem sie während der Herrschaft Neros auf einem Boot dem Fluss Arno übergeben worden waren. Jahrhunderte später lief Ende des 19. Jahrhunderts ein anderer Visionär, der avantgardistische Maler Paul Signac, mit seinem Kutter Olympia in den Hafen ein. Das gleißende Licht des Mittelmeers faszinierte ihn so sehr, dass er das kleine Fischerdorf rasch zum südlichen Zentrum des späten Neoimpressionismus machte. Schon bald waren sämtliche Maler, von Henri Matisse bis Albert Marquet, am Kai anzutreffen.
Im Gegensatz zu Ibiza oder Monaco bleibt dieser ehemalige Fischereihafen, stolz und hartnäckig, eher klein.
Doch es sollte noch weitere 60 Jahre dauern, bis Saint-Tropez zum Treffpunkt des internationalen Jetsets wurde: mit Roger Vadim, dem Regisseur von ...und immer lockt das Weib, und dem strahlenden Shootingstar des Films, Brigitte Bardot, die das weltweite Publikum mit ihrer barfüßigen Eleganz und ihrer betörenden Sinnlichkeit in ihren Bann zog – Eigenschaften, die Saint-Tropez in der öffentlichen Vorstellung bis heute prägen. Passenderweise lässt sich der Ursprung von „Les Voiles“ auf eine spontane Wette aus dem Jahr 1981 zwischen zwei sehr unterschiedlichen Yachten zurückführen: Dem 12-Meter-Boot Ikra der Cup-Klasse des Franzosen Jean Laurain sowie der Pride, ein Swan 44 Cruiser-Racer des Amerikaners Dick Jayson. Die Strecke, die von Patrice de Colmont, dem damaligen Besitzer des berühmten Club 55, spontan erdacht wurde, führte vom Portalet-Turm um die Boje von Nioulargue herum und endete vor dem Beach Club des Restaurants, wo beide Crews im Anschluss an das Rennen eine ausgelassene Party feierten. Als ein lokaler Reporter die Feier zufällig bemerkte und fragte, was denn los sei, erzählte ihm de Colmont, dass gerade der „Club 55 Cup“ gewonnen worden sei. Er holte eine silberne Schale aus dem Geschirr der französischen Marine hervor und überreichte sie Laurain, dem siegreichen Skipper der Ikra. Aus dieser Ehrenwette ging bald die „La Nioulargue“ hervor – benannt nach der felsigen Sandbank vor Pampelonne, die den einzigen Wendepunkt des ursprünglichen Rennens markierte. Sie zog rasch eine erlesene Gruppe von Eignern und Profiseglern an. Das für seine Ungezwungenheit bekannte Rennen wurde bis 1995 fortgesetzt, als eine tödliche Kollision der Regatta ein Ende setzte. Vier Jahre später wurde die Regatta als „Les Voiles de Saint-Tropez“ wieder ins Leben gerufen, nun unter der Schirmherrschaft des traditionsreichen örtlichen Yachtclubs. Zeitgemäße Sicherheitsvorschriften, eine regelbasierte Aufsicht und eine professionelle Rennleitungen standen nun im Vordergrund, während der Geist und der Elan der Eigner bewahrt blieben.
Heute könnten die Zuschauer bei „Les Voiles“ einen lackierten Kutter aus den 1930er Jahren sehen, der geistergleich über die Ziellinie gleitet, gefolgt von einer J-Class-Nachbauyacht mit messerscharfem Bug und einer Maxi-Yacht mit Carbon-Rigg, die Gischt in Richtung Pampelonne aufwirbelt. Der Reiz moderner Regatten liegt in der Mischung aus Grand-Prix-Rennboten und Racern aus der goldenen Ära, Wallys und Cutter, Sloops mit Schwenkkiel und Klassikern mit Langkiel, mit einer Crew aus Profi- und Amateurseglern. Viele Boote legten während des Wettbewerbs mit dem Heck zum Kai an – besser für die Fans, die einige der besten Rennboote und Teilnehmer der Sportgeschichte aus nächster Nähe erleben wollen.

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Patrice de Colmont überreicht die Trophäe für das Eröffnungsrennen im Jahr 1981, zusammen mit den Teilnehmern Jean Laurain (links) und Dick Jayson. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Sylvie Bourgeois Harel)
Das ist die Romantik von „Les Voiles“ und von Saint-Tropez, ganz intim: Offshore-Legenden und America’s-Cup-Steuermänner wie Loïck Peyron und Paul Cayard, die sich bei einem Espresso im „Sénéquier“ unterhalten, während sich in der Ferne die hellen Steinmauern der Citadelle de Saint-Tropez aus dem 17. Jahrhundert über die terrakottafarbenen Dächer erheben. Im Gegensatz zum laut tönenden Puls Ibizas oder der Milliardärs-Hochburg Monaco bleibt dieser ehemalige Fischereihafen – stolz und hartnäckig – eher klein. Purer Luxus für diejenigen, die seine Struktur verstehen, und verschlossen für diejenigen, die es nicht tun. Wer zum ersten Mal hier ist, sollte sich das Städtchen unbedingt bei einem Kaffee oder einem Aperitif von den oberen Balkonen des „Le Sube“ aus ansehen. Dieses historische Hotel und Café am Hafen versprüht den Charme eines alten Segelschiffs und bietet den besten Blick auf den Alltag von Saint-Tropez mit dem zeitlosen Riviera-Charme. Nachmittage, die in den Abend oder sogar in die späten Nachtstunden übergehen, gehören dem Club 55, jenem schicken Refugium am Strand, das von den Eltern des Mitbegründers des Rennens, Patrice de Colmont, eröffnet wurde und sich auf gegrillten Fisch, Rosé und prominente Gäste spezialisiert hat, die sich abseits der Paparazzi-Kameras entspannen möchten. Möchten Sie ein Stück St. Tropez mit nach Hause nehmen? La Vieille Mer bietet sorgfältig ausgewählte maritime Antiquitäten und Kuriositäten. Oder nehmen Sie sich an einem Sonntagvormittag Zeit für „Le Jas des Roberts“, einen provenzalischen Trödelmarkt, der für seine Vintage-Wäsche, seine antiken Bauerntische und -schränke, seine rustikale Keramik und sein provenzalisches Silber bekannt ist. Banc Bleu verkörpert mit seinen handgestrickten Aranpullovern die Seefahrer-Seele der Côte d’Azur. Natürlich lässt sich die Atmosphäre des Ortes, wie „Les Voiles de Saint-Tropez“ lehrt, niemals kaufen. Sie ist eine Philosophie, eine Denk- und Lebensweise – eben très tropézien.

JOSH CONDON ist Schriftsteller und Redakteur und lebt in Brooklyn, New York.
Eröffnungen

Auf dem Place de Lices

Ralph Laurens jüngster Store eröffnet diesen Sommer nur wenige Schritte vom Marktplatz von Saint-Tropez entfernt. Dieser ist bekannt für seine alten Platanen, die in den Werken des dort lebenden Paul Signac so eindrucksvoll dargestellt wurden. In zwei miteinander verbundenen Gebäuden – eines für Herrenmode, das andere für Damen- und Kinderbekleidung – werden Maßanfertigungen, Styling und die Zusammenstellung von Outfits angeboten. Im angrenzenden Innenhof steht ein eigener „Ralph’s Coffee“-Truck – das klingt doch nach einer guten Gelegenheit für eine Runde Pétanque.
28-30 Boulevard Vasserot
83990 Saint-Tropez, France