Ein Hoch auf
den Kordsamt
Kordsamt ist weit mehr als nur ein Herbststoff – er ist das ganze Jahr über angesagt und hat eine lange Tradition
Kordsamt ist unverwechselbar. Ob dick oder dünn, grob oder fein gerippt – als charakteristischer Herbststoff befindet er sich neben Tweed und Flanell in guter Gesellschaft. Und womöglich das Beste am Kordsamt ist, dass man alle Freiheiten hat, denn es gibt keine festen Regeln, wie man ihn trägt.
Mr. Lauren selbst wurde oft in Kordsamthosen in einer Vielfalt von üppigen, satten Farbtönen gesehen, von Königsblau über Jägergrün bis hin zu Merlot. Ein zeitloser Klassiker, der in den Archiven von Ralph Lauren immer wieder auftaucht. Im Herbst 1976 schritt ein Model in einem Anorak aus Kordsamt, einem karierten Schal und einer roten Mütze über den Laufsteg – wie geschaffen für ein Wanderwochenende im Herbst. Bei der Modeschau zum 50. Jubiläum von Ralph Lauren diente eine gelbe Hose aus Kordsamt, getragen von Caroline Winberg, als Anspielung auf die „Senior Cords”, eine vergangene Tradition, die an der Indiana State University ihren Anfang nahm: Die Trägerinnen und Träger schmückten ihre Hosen mit persönlichen Maskottchen, Sprüchen und Clubabzeichen.
Und obwohl Kordsamt durchaus in die Sportmode, die formelle Abendmode und mehr integriert werden kann, hat er seinen Ursprung ganz klar in der Arbeitskleidung. Im späten 18. Jahrhundert wurde die Kordsamthose in Manchester, England, zum festen Bestandteil der Grundgarderobe. Dank der seltenen Kombination aus strapazierfähigem Gewebe und unerwartetem Komfort eroberte sie während der industriellen Revolution die ganze Welt. „Einige der frühesten Beispiele für Kordsamt, die mir begegnet sind, waren Arbeitskleidungen, insbesondere französische”, erinnert sich Brian Davis, Inhaber des Vintage-Ladens Wooden Sleepers. „Es sind diese extrem strapazierfähigen Arbeitsjacken und -hosen aus schwerem schwarzem Kordsamt. Sie sind üblicherweise mindestens 100 Jahre alt.”
Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb Kordsamt ein wichtiger Bestandteil der Nutzkleidung, denn er wurde oft in die Standardmilitäruniform integriert. Dazu gehörten die Kordsamthosen, die von der Frauenlandarmee getragen wurden, sowie das N1-System, eines von drei kompletten Ensembles, die vom US-Militär für drei verschiedene Klimazonen entworfen wurden. Das N1-Ensemble bestand aus Handschuhen, einem Hut, einem mit Alpaka gefütterten Overall und einem hüftlangen Mantel aus fein geripptem Kordsamt aus Bedford, England (passenderweise oft als „Bedford-Cord” bezeichnet). „Das ist das, was man bei eisiger Kälte auf dem Deck eines Schiffes tragen würde", erklärt Davis. Und er fügt hinzu: „Der Mantel des N1-Systems ist wahrscheinlich eines der begehrtesten Vintage-Stücke, die es derzeit auf dem Markt gibt. Ich glaube, ich habe in meinem Leben nur eine Handvoll davon gesehen.”
In der Nachkriegszeit konnte Kordsamt ein breites Publikum für sich gewinnen, was in den späten 1950er Jahren seinen Anfang nahm, als der Stoff von der akademischen Welt romantisiert wurde. In dieser Zeit tauschten die Studenten der Ivy League und ihre Professoren die Wollblazer gegen braune Kordsamtmodelle aus. In den 1960ern Jahren dann wurde die Kordsamtkleidung weitaus mutiger interpretiert, als Hosen mit Schlag und Blazer mit steigendem 5-Zoll-Revers aufkamen. Sie waren bei britischen Rockern wie Mick Jagger und den Beatles beliebt (Letztere wurden einst von Edward Heath, dem ehemaligen britischen Premierminister, dafür gefeiert, dass sie die britische Kordindustrie im Alleingang gerettet hätten) und prägten eine ganze Generation von Kleidungsstilen.
Die Popularität von Kordsamt hatte im Laufe der nächsten Jahrzehnte ihre Höhen und Tiefen, wobei die Kordsamthose in den späten 80ern und frühen 90ern etwas entspannter interpretiert wurde: nämlich als Markenzeichen des Grunge-Stils. So lässig, dass Grunge-Größen wie Kurt Cobain und Eddie Vedder in weiten, mit Cargotaschen ausgestatteten Modellen den Skatepark oder die Bühne betraten. In dieser Zeit waren der Komfort und die Strapazierfähigkeit von Kordsamt besonders wichtig.
Auch heute noch wird Kordsamt oft als Hommage an den Ivy-League-Stil, bestimmte Musiker oder die originale Arbeiterkleidung getragen. Für Persönlichkeiten wie Wes Anderson – von GQ einst als „König des Kordsamts” bezeichnet – sind ihre Kordsamtanzüge Uniformen, die Komfort, Stil und Kultiviertheit vereinen. Promi-Stylistin Jeanne Yang, die Stars wie Robert Downey Jr., Kumail Nanjiani und Keanu Reeves zu ihren Kunden zählt, stimmt dem zu. „Er ist immer eine gute Wahl für den roten Teppich”, so Yang. „Sein professioneller Look vermittelt dieses Gefühl von Leichtigkeit und Intelligenz.” Das gilt auch für diejenigen unter uns, die sich nicht auf dem roten Teppich wiederfinden. Trotz seines praktischen Ursprungs ist Kordsamt ein Stoff, mit dem man einem eleganten Ensemble einen Hauch von Originalität und Stil verleihen kann, besonders während der Feiertage.
Vom Intellektuellen bis hin zum geradezu Fantastischen – Kordsamt ist allgegenwärtig. Man findet ihn am Kragen der wettergegerbten, gewachsten Baumwolljacke, am Teddybär im Kinderzimmer – ganz zu schweigen von der Lieblingskordhose, die, wenn es draußen kalt ist, für ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit sorgt. „Ein Anzug aus Kordsamt ist einfach ein toller Anzug”, sagt David Coggins, Autor von Men and Style: Essays, Interviews and Considerations. „Er hat Struktur, sieht mit der Zeit immer besser aus, verleiht jedem Outfit eine leicht professorale Note – und das Beste daran: man kann sich darin mühelos hinlegen.”
- Mit freundlicher Genehmigung von Getty
- © Ralph Lauren Corporation



